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Die Prinzessin spielt
1.
Der Prinzessin ging ihre Kugel verloren, die goldene Kugel ging ihr verloren, sie hat ihre Kugel verloren.
Welcher Herrscher gibt seinem Kind eine goldene Kugel zum Spielen?
Jetzt schreit ihr Körper nach Liebkosung und der Frosch aus dem Brunnen spielt den Prinz.
Wie nass doch die Schleppe eines verliebten Froschs ist, der keine Krone hat und dennoch vor Liebe quakt!
Im brennenden Brunnen wirst du gewaschen, Spielerin, mit schwerem Wasser wäscht man dir die Spiele ab: nie entsteigst du diesem Wasser als dieselbe, nie willst du dieselbe mehr sein.
Jetzt ist ihr Gesicht von einem feurigen Rahmen umrahmt, seinen Händen, und die Ikone der Lust sieht sich im Spiegel.
Ich flehe dich an, furchtbare Zeit, ich gehe zurück zu der Kreuzung und fahre einen anderen Weg durch den Korridor, wo in der Wabe schlafender Zimmer der Morgen graut, im Hotel ergreife ich deine Hand und lasse hineinfallen die matte Kugel meiner Brust. Ich flehe dich an, blauschwarzer Minotaurus, die schwarze Behaarung deiner Finger flehe ich an, denn ich habe aufgehört zu spielen. In diesen Schwerkraftfeldern fallen die Lusthäuser zusammen. Nur ein verhaltener Schrei auf dem Rechenbrett der schwarzen Sterne, eine unartikulierte Wut zu Geständnissen.
O tiefblaue Doppelsterne, in deren Schwerkraft die Prinzessin ihre Kugel verlor, und sie spielt nicht, sondern klagt an der Kreuzung, wo sie das Ungeheuer am Arm ergriff und fortleitete.
Jetzt weint sie im leeren Park und feuchte Türme wachsen aus dem Boden, das Schloss, in das sie sich verirrt, das Purgatorium, und ihrer goldener Körper sprüht Funken.
2.
Nach dieser Glut ist alles verbrannt, die aus Gold geschmiedete Frau geht danach allein.
Dies ist die Geschichte von Metamorfosen, darum ist die Klage berechtigt, es gibt keine Rückkehr zum selben, darum sei dieser Ort gepriesen.
Wer hätte sie nicht geliebt, alle verliebten sich in sie, als sie lachend dahinlief, die goldene Kugel im Schoß, und ihre Kindheit verlor. Jetzt weint sie: ich liebe dich Minotaurus, du Böser, schwarz und blaugescheckt Berührung der Lust, ich bin abgekommen in deinem Korridor, in der Stille der Teppichböden in dem großen Hotel, wo der eiserne Brunnen des Aufzugs die goldene Kugel verschlang.
3.
Aber er, der die Rolle des Froschs im Schauspiel hat, versteht nichts, er verspricht der Prinzessin die Kugel zu holen, aber es gibt keine Prinzessin, sie hat aufgehört zu spielen, sie will Bettlerin sein im Schloss des Minotaurus. Tu dir nicht weh, Frosch. Wer an diesem Ort überleben will, muss zum Dichter werden, eine furchtbare Rolle, ein Fegefeuer der Elemente, wo in blutigen Riten die Spiele geopfert werden. Mein Frosch, es ist tödlicher Ernst, geh zurück in deinen Brunnen, in diesen Sälen tanzt man das Menuett auf Messers Schneide:
Als Kinder spielen die Mädchen Prinzessin, danach ist alles wahr, das überlebst du nicht. Die Krone ist der Prinzessin vom Haar gefallen, ihr Körper sprüht Funken, sie ist wahnsinnig geworden. Merkst du denn nicht, dass sie nicht spielen will, sie ging mit dem Bösen.
4.
Und jetzt singt sie:
ich bin verloren, ich bin verrückt in ihn, alles was unwichtig und wichtig ist, ist fort
nur Fahrzeuge eilen dahin, diese Sehnsucht, die zu Worten zerbricht: es gibt keine Alternative für dich, ich will keinen andern.
5.
Ich erbitte Trauer von dir, Pasifaes Bastard von Lust gezeugt, Tränen, denn salzig ist die Peitsche der Lust.
Mit der Schere durchtrenne ich Ariadnes roten Faden: mag das Blut davon auf die Palastwände spritzen, mag das rote Knäuel meines Herzens leer werden.
Wer das Knabengesicht des Minotaurus gesehen will nichts anderes, sie läuft im Labyrinth der Sommernacht und will nichts anderes, krank vor Verlangen will sie nichts anderes als den tiefblauen Knabenblick, den schwarzgekrönten Kopf und die spitzen Hörner, als die Perlmuttknöpfe seines Hemdes zu öffnen, nur die heiße Haut des Bastardprinzen zu fühlen.
6.
Ich habe versucht dich zu vergessen, Minos Sohn, ich bin durch die Korridore gelaufen. Es wird nichts daraus, ich verirre mich nicht.
7.
In der Hölle der Sommernacht brennen die Feuer, in der Hölle des Lichts zappelt ein nebliger Morgen, noch ist der innerste Kreis nicht berührt, dort ist es kühl.
Gedicht ist Sprache des Körpers genauso wie Laufen und Springen, aus dem Fleisch geschnittenes Gewebe. Im Allerinnersten schweigt es, hört auf zu sein.
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