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LAURI OTONKOSKI

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EIRA STENBERG

SIRKKA TURKKA

MERJA VIROLAINEN

EIRA STENBERG
 

In Minos Schloss unter dem schwankenden Parkett,
unter dem schwankenden Rocksaum seiner Mutter
geht er, den ich will.
Er trägt den Schlüssel zu meinem Zimmer wie eine Rassel,
er spielt Versteck.

Herr der Schlüssel, wegen einer einzigen keimenden Ikone
lief ich hinter dir her in den Korridoren,
deren Teppiche in Asfalt übergingen
bedeckt mit den Sirupblüten der Linden.

Und jetzt ist Herbst.

Mich strafte der Wahnsinn, den ich nicht
als Weisheit verstand:
in diesem Sommernachtstraum floh ich
und wurde zum Verfolger,
die Wörter flohen und du.

Aber wer war sie, die gekleidet in Gold
und Schnee,
auf dem Haupt eine eisige Krone,
im Korridor stand und sagte,
dass ich dich nicht kenne?
Ganz als ob das etwas
mit der Lust zu tun hätte.

Ich sah ihr Bild
im Spiegel unerträglich vollendet
wie die Infantin des Velásquez.
Sie ist es, die dich am Arm gepackt
und zum Aufzug geleitet,
sie verlor die goldene Kugel,
um ihrer willen fiel ich auf die Knie
und weinte die Stirn am Boden.

Was für ein Märchen.
Erzählt es nicht von der Prinzessin, die
ihre eigene Zwillingsschwester ist?
Sie führte im ganzen Schauspiel die Regie.

Aber du, der du dich immer noch
unter dem schwankenden Himmel des Parketts
an meinem Körper versteckst wie ein blauer Fleck,
ein stierköpfiges Siegel,
dessen Muster durch die Haut schimmert,
ich höre dein Hüsteln
durch die automatische Lüftung des Hotels.

Ein harter Ort diese Welt,
in der die Götter verschmähte Lieben sind.


Divina Commedia

In Minos Schloss

Die Prinzessin spielt


 
Halun ikoni (Ikone der Lust), 1997 
Aus dem Finnischen von Gisbert Jänicke