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MERJA VIROLAINEN

MERJA VIROLAINEN (b. 1962) has published four collections of poems, Hellyyttäsi taitat gardenian (Because of Your Tenderness You Break a Gardenia, 1990), Tervapeili (Tar Mirror, 1995), Pilvet peittävät sisäänsä pilvet (Clouds Encompass Clouds, 2000) and Olen tyttö, ihanaa! (I'm a Girl, Wonderful!, 2004). She has also written a book about shamanism and witchcraft and a play called Täyttymyskomedia (Fulfilment Comedy, 1993). Virolainen has also worked as translator, translating Keats, Shelley, Dickinson and Indian modern poetry among others.
THE ROUGH FRICTION OF OPPOSITES
 

Du, mein Verstand, scher dich fort:
eine stärkere Stimme lockt
es zieht mich ins Loch, die schmutzige Lotterhöhle, 
wo ich mich mit der Eidechse paare, 
der Koboldssamen den Mund mir versengt.
Den ganzen Tag lief ein Schatten neben mir her:
wo sonst sollte ich ihn versenken,
wenn nicht im Schoß eines größeren Schattens?

Du, mein Verstand, scher dich fort:
der Freunde, der Liebsten Stimmen
locken, die einäugigen Lügner,
die Huren Säufer Vergewaltiger
die Götzenanbeter In meiner rauchigen, schmutzigen Höhle ermordet der Bruder den Bruder, schmäht man den Krüppel und bringt ihn zu Fall.
Der Liebenden Bett wird besudelt,
die Unschuld für ein bißchen Knete verscherbelt.

Dort in meinem Himmel, dem einzigen,
frißt sich die Peitsche vor Langeweile ins Fleisch, 
dort werde ich trunken von Tränen, 
ist süßer als Honig der Schweiß!
Ich kotze mir einen Hochzeitsschleier ins Haar, 
Scheiße, meine Edelsteine, glänzt, wenn der Sternenhimmel, 
Gevatter Kröte den Brautwalzer mit mir tanzt.

Du, mein Verstand, scher dich fort -
die Geilheit leitet das Weib:
ich will in die Höhle, ins schmutzige Loch, 
wo Schimmel ich lecken darf,
wo Eiter glimmt an moosbewachsenen Wänden.
Mit wievielen hab‘ ich gefickt?
Nie achtete ich aufs Gesicht!

Oh Schnapsstank, zahnlose Koboldsmäuler,
Eidechsengrind, verlauster Bock,
Rotzbart, Knochenfäule!
Ich werde zum kochenden Hexenkessel,
der Satyr rührt in mir mit knotigem Pflock: 
etwas glaubte ich gelernt zu haben aus den Büchern, 
etwas das bildet,
doch gerade so nimmt man oft vorschnell an, 
daß die Eidechse auf ihren Schwanz verzichten kann.


Ich spiele Kaufmann

Durch die Ritzen der Bretterwand

„Er hat die Welt überwunden!“

Zuschlagen mit dem Stein

Ich sinke

Am Hobel des Zimmermanns ringeln...

Bärenpark

Der picklige Narziß hat, scheint’s

Nachts, zur hellsten Zeit des Tages

Du, mein Verstand, scher dich fort

Oma, du hißtest dein Seidenpapie...

Scheu kreist sie um sich selbst

In der Lederjacke gegen das Herz

Am Storchenhals gleiten Finger...


 
Tervapeili, 1995. 
Nachdichtung: Jan Wagner.